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Upcycling – Nicht alles ist für die Tonne

Upcycling – Nicht alles ist für die Tonne

Jeder kennt es: Man will aufräumen, aber es fällt einem unglaublich schwer sich von Sachen zu trennen. Für den Sperrmüll sind sie irgendwie zu schade, aber brauchen tut man sie eigentlich auch nicht mehr. Das ist das Stichwort für Upcycling und jeder hat das Zeug dazu: Legen Sie los und werden Sie zum Upcycler! Im folgenden Artikel erfahren Sie, was Upcycling eigentlich ist und erhalten wertvolle Tipps, die Sie zu tollen Upcyclingergebnissen führen. Außerdem werden Ihnen viele Ideen vorgestellt, wie sie mit dem vermeintlichen Müll Ihre eigenen vier Wände verschönern können. Lassen Sie sich von der Welt des Upcyclings überraschen – Los geht’s!

Was ist eigentlich Upcycling?

Aus Altem etwas Neues machen – das ist die wohl kürzeste Beschreibung für Upcycling. Im Grunde genommen ist Upcycling kein absolutes Fremdwort für diejenigen, die sich schonmal mit Recycling auseinandergesetzt haben. Denn Upcycling ist eigentlich nur eine besondere Form des Recyclings, bei der Abfallprodukte und nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt werden. Es unterscheidet sich dadurch, dass die Produkte bei der Wiederverwertung einen höheren Wert erhalten (stoffliche Aufwertung). Als Teil der DIY (Do it yourself)-Bewegung fordert das Upcycling dazu auf, Dinge selbst zu gestalten oder zu basteln, anstatt sie neu zu kaufen.

Und genau das ist es, was das Upcycling ausmacht: Aus Müll und Schrott wird wieder etwas Nützliches. Es ist also tatsächlich nicht gleich alles für die Tonne, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht.

Der Hype um Upcycling – Warum der Trend so beliebt ist und es auch verdient hat

Das Upcycling erfreut sich heute an einem großen Hype. Nach nur einer halben Sekunde versorgt Google uns mit 56 MILLIONEN Suchergebnissen zu diesem Thema – das ist mehr als ¼ der Ergebnisse zu Recycling. Doch warum ist das Upcycling so beliebt? Die Antwort auf die Frage liefert vorwiegend ein einzelner Begriff: Nachhaltigkeit. Die Ressourcen werden knapper und somit wird der verantwortungsvolle Umgang mit diesen für jeden Einzelnen wichtiger.  Beim Upcycling wird die Abfallmenge reduziert und Rohstoffe gespart  – dass das in der Zeit der verschmutzten Weltmeere und der Debatte um die Umweltverschmutzung auf Begeisterung trifft, erklärt sich wohl von selbst. Das Wiederverwerten von bereits vorhandenem Material hat zudem noch weitere, umweltschonende Vorteile: weniger Neuproduktionen von Rohmaterialien, gesenkter Energieverbrauch, weniger Luft- und Wasserverschmutzungen und geringere Treibhausgasemissionen.

Geschäftsmodell Upcycling: Erfolg im Verkauf von „Müll und Schrott“

Neben den zahlreichen Hobby-Handwerkern, Künstlern und Testern wie Sie und ich hat der Trend schon lange größere Kreise gezogen. Was für die einen Müll und Schrott ist, ist für die anderen wertvolle Ressource: Viele Unternehmen haben das erkannt und den Trend Upcycling für sich als Geschäftsmodell übernommen.

Ein gutes Beispiel dazu ist Lockengelöt: In ihrem Onlineshop und auch Laden in Hamburg kann man viele Upcycling-Produkte kaufen, die die Hamburger Crew in ihrer eigenen Werkstatt herstellt. Das Besondere: Man kann manchmal kaum erahnen, aus was die ganzen Dinge eigentlich hergestellt wurden. Couchtische und Lampen aus alten Ölfässern, Eierbecher aus Skateboards, Flaschenöffner aus Kickerfiguren und Uhren aus Schallplatten. Neben diesen allgemeinen Upcycling-Shops gibt es auch Unternehmen, die sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert haben. „Bauholz design“ fertigt z.B. aus gebrauchten Gerüstbrettern unverwechselbare Möbelstücke.  Und Reditum kombiniert ganz verschiedene Materialien u.a. zu Regalen. Ein absolutes Upcyclinghighlight ist dabei das Regalsystem moveo, das aus Einwegpaletten und alten Fahrradschläuchen zusammengebaut wird. Milch ist ein Beispiel für das Upcycling von Kleidung. Bei dem Label werden aus alten Herrenhosen und -hemden neue Kleidungsstücke für die Frau designt – Kleider, Westen und viele weitere.

Und wer weiß, vielleicht gibt es in einigen Jahren ja auch die Karl Meyer Upcycling GmbH – Sitzmöbel aus Mülltonnen, Taschen aus LKW-Planen, Strandkörbe aus Containern, Dekoration aus alten Autoreifen… die Möglichkeiten sind grenzenlos. Und ganz nebenbei: In einem Gebäude auf dem Firmengelände der Karl Meyer AG  in Wischhafen/Elbe ist bereits ein Upcyclingobjekt zu finden…

Wie werden Sie zum Upcycler – Tipps und Tricks

Grundsätzlich gibt es beim Upcycling keine Grenzen und jeder kann sich einfach mal ausprobieren. Dennoch gibt es ein paar Grundsätze, die man nicht außer Acht lassen sollte:

  • Recycling-Kreislauf beachten! Man sollte nichts aus dem Recyclingprozess herausnehmen, was man später nicht wieder zurückführen kann. Mehrweg-Plastikflaschen zu zerschneiden erfüllt bspw. nicht den Zweck des Upcyclings.
  • Ziel im Auge behalten! Bei der Planung und Umsetzung sollte beachtet werden, dass das übergeordnete Ziel ist, dass mit möglichst geringem Materialaufwand und geringen Energiekosten ein neuer Gegenstand entstehen soll.
  • Nur Müll und Schrott verwenden! Besonders wichtig ist, dass man tatsächlich alte Gegenstände verwendet und nicht extra etwas Neues kauft, nur um es zu einem anderen Zweck zu verwenden. Wenn beispielsweise eine Jeanshose nicht mehr passt, ist es ok, aus dieser z.B. eine Tasche zu machen. Aber für denselben Zweck eine neue Jeans zu kaufen, erfüllt nicht die Grundsätze des Upcyclings.
  • Unterstützende Materialien vollständig verwenden! Wenn man Material wie Schrauben oder Farbe für eine Aufwertung benötigt, ist es ok diese zu kaufen. Allerdings sollte man darauf achten, dass man für diese auch vollständige Verwendung hat. Wenn z.B. Farben nicht ganz aufgebraucht werden und der Rest entsorgt werden muss, ist das nicht gut für die Umwelt.
  • Achtung beim Kauf von Upcycling-Produkten! Im Internet kursieren (wie immer) auch schon „Fake“-Upcycling-Produkte. Also: Wer Upcycling-Produkte kauft, sollte sich vergewissern, dass es sich tatsächlich um solche handelt. Viele Händler produzieren z.B. Möbel billig im Ausland, die lediglich etwas auf alt gemacht sind.
  • Upcycling = letzter Schritt! Manche Dinge werden viel zu früh upgecycelt, ohne dass man ihnen die Chance gibt, repariert zu werden. Also: Wenn man etwas noch reparieren kann, sollte es auch weiterhin den eigentlichen Zweck erfüllen, damit man nicht für Ersatz sorgen muss.
  • Generell: Vermeiden ist immer besser als kaufen. Und: Auch ein aufgewertetes Produkt wird irgendwann entsorgt – Sie sollten in diesem Fall also auf die richtige Entsorgung achten.

Diese Grundsätze sollen Sie natürlich nicht vom Upcycling abschrecken. Wenn Sie eine Idee im Kopf haben, steht Ihnen nichts im Weg: Jeder kann Upcycler werden. Ein Tipp von mir ist, sich einfach mal zu Hause umzuschauen, was man nicht alles rumstehen hat. Viele haben Sachen zu Hause, die schon lange nicht mehr genutzt werden, aber einfach zu schade zum Entsorgen sind. Warum nicht diesen besonderen Dinge durch Upcycling wieder neues Leben einhauchen?

Diese Materialien sind für das Upcycling geeignet

Viele von Ihnen fragen sich bestimmt auch, welche Materialien für das Upcycling überhaupt geeignet sind. Ich kann auf diese Frage mit einem einzigen Wort antworten: ALLES (sofern natürlich die obigen Regeln beachtet werden). Zu den „typischen“ Materialien gehören u.a. Gläser, Holzkisten, Einwegpaletten, Textilien, Papierbecher, Zeitungen, Autoreifen, Glasflaschen, Fallrohre, Skateboards, Maurerkellen, Kleiderbügel –eigentlich alles, vorausgesetzt es kann seinen eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen. Vergängliche Produkte wie u.a. Lebensmittel sind für das klassische Upcycling nicht geeignet. Doch nicht vergessen: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jedes Material kann zum Upcyceln geeignet sein.

Upcyclingideen: Von kleiner Dekoration bis zum großen Möbelstück

Fahrradschläuche werden zu Gürteln, Kaffeesäcke werden zu Kissenbezügen und aus Paletten werden stylische Gartenmöbel – Was im Internet alles an Ideen kursiert, ist unglaublich. Ich habe Ihnen hier ein paar meiner Favoriten zusammengestellt:

Mein absoluter Favorit unter den Upcycling-Produkten sind Möbelstücke aus alten Paletten  – egal ob Sofas, Betten oder Regale. Ich habe mich daran auch schon probiert. Im Rahmen eines Schulprojekts habe ich damals mit vier Freunden ein Sofa aus Paletten gebaut. Wochenlang haben wir die alten Paletten geschliffen, lackiert und Matratzen als Polster mit wasserdichter Plane bezogen. Doch die Arbeit hat Spaß gemacht und sich aufjedenfall gelohnt: Man kann jeden Tag beobachten, wie sich die Schüler über die neue Sitzgelegenheit freuen. Und das ist doch auch etwas, was das Upcycling ausmacht: Die Freude am Ergebnis.

Aber neben Paletten gibt es noch ganz viele andere tolle Ideen: Windlichter aus alten Gläsern, eine Pinnwand aus gesammelten Weinkorken, ausgefallene Regale aus alten Büchern, Kleiderbügel zur Schmuckaufbewahrung, Plastiktüten als Pflanztaschen, leere Konservendosen als Blumenampel für den Balkon oder die Terrasse, Taschen aus LKW-Planen. Um auch einige Inspiration in Bilderform zu bekommen, schauen Sie doch gerne beim „Upcycling Kreativätstraining von anders|denken“ vorbei. Dort finden Sie  80 interessante Upcyclingideen.

Und nun kann ich nur noch eins sagen: Lassen Sie sich inspirieren und starten Sie ihr nächstes Projekt!

Kommentieren Sie doch gerne mit Ihren eigenen Erfahrungen und Ergebnissen rund um das Thema Upcycling. Ich würde mich freuen.

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Über den Autor

Svea Schildt

Studentin des Dualen Studiengangs Business Administration in der Karl Meyer Gruppe und an der PFH Göttingen, Hansecampus Stade seit 2016

8 Kommentare

  1. Mailin Dautel

    Ich finde das Bild mit der Sitzgelegenheit super! Ich finde es toll, wie man aus alten Sachen Neues machen kann. Auch ich finde Möbel aus alten Paletten super!

    Antworten
  2. helga

    Mit Upcycling hat mir gut die Idee gefallen. Besten Dank! Schade nur, dass nicht alle Materialien dazu geeignet sind. Nach den Bauarbeiten ist viel Schrott geblieben: Lacktonnen, Schaumstoff sowie auch Batterien und abgebrauchte Sparlampen. Vielleicht mangelt es mir an Kreativität? Der Mann hat schon einen Container dazu besorgt.

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  3. Toni Krause

    Mein Onkel hat einen Laden, bei dem er Schrott zum Recycling ankauft. Er repariert sie und verkauft sie weiter. Danke für den Beitrag zum Upcycling und dem Tipp, dass man mit möglichst geringem Materialaufwand und Energiekosten auch neue Gegenstände kreieren kann.

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  4. Finn

    Aus der Mülltonne eine Sofa! Hut ab vor Kreativität! Organisiert soll auch unser Gewerbemüll entsorgt werden. Im Mischschrott ist vorwiegend Baumaterialien. Zum Upcycling vielleicht ungültig. Aber für die Idee danke!

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  5. Luise Hanson

    Ich sehe so viele Sperrgüter an den Berliner Straßenrändern, die eigentlich noch sehr gut erhalten sind. Die Idee, mit dem Upcycling zu beginnen, klingt super. Ich benötige nur noch einen geeigneten Raum oder eine Werkstatt, in der ich gerade die sperrigen Schmuckstücke restaurieren kann. Aus einer alten Tonne ein Sofa zu bauen, ist wirklich eine Inspiration!

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  6. Mailin Dautel

    Ich finde Upcycling wirklich cool. Wir schmeißen viel zu viel weg. Was nicht bedeuten soll, dass man alles sammeln soll und ein hortet. Eine Freundin von mir hat einen Sessel den sie nicht mehr wollte. Den hat sie mir geschenkt und ich habe ihn zu Reparatur gebracht. Jetzt hat dieser ein neues Polster und ein neuen Bezug, sieht echt gut aus. Aus alt mach neu, macht Spaß und ist auch besser für die Umwelt.

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  7. RE-Cyclist

    Moin, woher stammen denn die Planen für die Taschen aus Lkw-Plane, die man jetzt schon im KM-Merchandise kaufen kann? Sind das Planen von Meyer Fahrzeugen?

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    • Svea Schildt

      Noch nicht 😉 Bisher werden die Planen für die Taschen aus dem Karl-Meyer-Merchandise von externen Anbietern bezogen – aber wer weiß, was die Zukunft bringt..

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